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12.10. Anarchosyndikalismus als andere Gewerkschaftspraxis

Vortrag mit Thomas von der FAU Thüringen

Beim Begriff Gewerkschaft denkt mensch in Bezug auf Deutschland zumeist an Wörter wie Sozialpartnerschaft und Standortlogik; beim Begriff Anarchismus hingegen an organisations­feindliche autonome Chaot_innen. Dass beides auch zusammen geht, bzw. beides zusammen auch anders möglich ist, erscheint verwunderlich, dies verbirgt sich aber hinter dem Begriff des Anarchosyndikalismus als eine gewerkschaftliche und darüber hinaus zielende politische Theorie und Praxis. (mehr…)

20.07. Jena: Anarchismus? Anarchosyndikalismus? FAU? Was ist das eigentlich?

Fr. 20. Juli 10:oo ‐ 12:oo, Campus FSU Jena

Anarchie wird laut Duden als Zustand der Herrschaftslosigkeit, Gesetzlosigkeit und Chaos in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht definiert. In dieser Form taucht der Begriff auch regelmäßig in den Medien auf. Vor Anarchie wird gewarnt, was soweit geht, dass auch schon mal Diktatoren in Schutz genommen werden. Mit Herrschaft können Anarchist_innen wirklich nichts anfangen. Warum Herrschaftslosigkeit aber Chaos bedeutet verrät mehr über den Charakter des_der Sprechenden als überAnarchismus.
In der Veranstaltung soll sich den Anarchismus als Teil der Arbeiter_innenbewegung genähert werden ohne sich in historischen Darstellungen zu erschöpfen. Es soll um anarchistische Positionen gehen und um eine mögliche anarchistische Organisationsform, welche über das Bestehende hinausweist: dem Anarchosyndikalismus. Dabei wird auch die Freie Arbeiter_innen Union (FAU) vorgestellt werden, als größte syndikalistische Organisation im deutschsprachigen Raum.

Mehr Infos: Alternative Uni 2012

Aufnahme Krisenlabor Griechenland

Wer die Buchvorstellung am 8.12. letzten Jahres verpasst hat oder sie einfach noch mal hören möchte, kann das nun hier tun oder die Datei direkt herunterladen! Die Veranstaltung wurde vom freien Radio Corax aus Halle aufgenommen und war erstmals in der Sendung Streitmächte zu hören.

Buchvorstellung: Gegen die Arbeit

Freitag, 13.1.2012
19 Uhr
Infoladen Glimpflich / VL-Ludwigstraße 37

Die spanische Revolution 1936 und die Fabrikbesetzungen im Frankreich der Volksfront-Regierung bilden noch immer wichtige Bezugspunkte für antikapitalistische und soziale Bewegungen gleichermaßen. Michael Seidmans materialreiche historische Studie zeigt, dass in beiden Ländern, unter unterschiedlichen Bedingungen radikale Praktiken der Arbeitsverweigerung anhielten, ja sogar aufblühten. Revolution hieß für die Arbeiter und Arbeiterinnen in Barcelona und Paris nicht mehr, sondern weniger arbeiten.

Zwangsläufig konzentriert sich Seidman dabei auf den Kern der spanischen Revolution, nämlich die Abläufe in den Betrieben. Damit hebt sich sein Werk ab von der teils romantischen Literatur zum spanischen Bürgerkrieg. Außerdem bietet Seidman eine umfassende Darstellung der französischen Fabrikbesetzungen, über die es in deutscher Sprache bisher nur spärliche Veröffentlichungen gibt. Mit seiner Forschung füllt Seidman eine bisher kaum wahrgenommene Lücke in der Geschichtsschreibung der Arbeiterbewegung.

Die Aufhebung der Lohnarbeit rückt durch diese Studie wieder ins Blickfeld der Gesellschaftsutopie. Das Buch veranschaulicht, dass sich aktuelle, keineswegs nur linksradikale Diskussionen zur Kritik der wachstums- und profitorientierten Wirtschaft und des produktivistischen „Arbeitsfetischismus“ auf eine untergründig verlaufende, proletarische Verweigerungstradition beziehen können.

Der Seidman-Übersetzer Andreas Förster wird die Studie vorstellen und zur Diskussion stellen. Denn unumstritten ist das Buch nicht: Einigen erscheint seine Intention als „Schlag ins Gesicht“, andere sehen es als „nüchterne, faire Untersuchung“ im Sinne der Global Labour History. Manchen bereitet es Kopfzerbrechen, ob denn eine Befreiung vom Kapitalismus überhaupt möglich sei; und wieder andere sehen sich in ihrer Kritik der Gewerkschaften an sich bestätigt. Von akademischem Interesse sind zudem die aufgeworfenen Fragen der Repräsentativität von Massenorganisationen und des produktivistischen Grundverständnisses der sozialistischen Arbeiterbewegung.

Insgesamt ist die Debatte nicht nur ein Thema für geschichtlich Interessierte, stellte doch der IG Metall-Vorsitzende Huber jüngst fest: „Die IG Metall ist eine produktivitätsorientierte Gewerkschaft, und das wird auch so bleiben.“ Welche gesellschaftlichen Auswirkungen ein solches Konzept hat, auch das wird zu diskutieren sein.

Artikel von Michael Seidmann in der Graswurzelrevolution
Buchrezension auf libcom.org (englisch)
Buchrezension auf wobblies.de
Kritik-/Diskussionsaufruf auf syndikalismus.wordpress.com

Michael Seidman, University of North Carolina (USA): Gegen die Arbeit. Über die Arbeiterkämpfe in Barcelona und Paris 1936–38, Vorwort von Karl Heinz Roth und Marcel van der Linden. Verlag Graswurzelrevolution, Heidelberg 2011, 477 Seiten, 24,90 Euro, ISBN 978-3939045175.