Vortrag: Mit wehenden Fahnen

Vom Scheitern revolutionärer Aufbrüche

Update: Vor dem Vortrag könnt ihr euch hier schon ein Radiointerview mit Holger Marcks zum Thema anhören.

Revolutionen wird vor allem deswegen mit Skepsis begegnet, weil ihre Geschichte eine von Enttäuschungen ist. Sofern sie nicht selbst Regime der Unterdrückung konstituierten, gingen revolutionäre Bewegungen häufig mit wehenden Fahnen unter – zerborsten in reaktionären Stürmen, die dem Wind der Subversion folgten. Von der Pariser Kommune 1871, über die Spanische Revolution 1936, bis jüngst zum Arabischen Frühling – selten gelang es, die subversive Dynamik in gesellschaftliche Institutionen zu übersetzen, die sich der Reaktion erwehren konnten. Es gilt daher nicht zu Unrecht als die große Schwachstelle revolutionärer Umstürze, dass ihre verunsichernde Wirkung zu Repressionen, Putschen und Bürgerkriegen führt – und so ungewollt die gesellschaftlichen Zustände noch verschlimmert werden.

Wenn aber die Revolution stets ein höchst riskantes Spiel mit dem Feuer ist, was taugt sie dann überhaupt? Hat die Geschichte dem Reformismus doch recht gegeben und revolutionäre Vorstellungen als naiv entlarvt? Oder gibt es revolutionäre Strategien, die den Knackpunkt der Subversion umgehen können, ohne in Autoritarismus, Systemintegration oder Isolation zu enden? Der Vortrag von Holger Marcks widmet sich der Frage, wie Bewegungen ihre revolutionären Erfahrungen theoretisch verarbeitet haben. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Theoriebildung des Syndikalismus. Von besonderem Interesse sind dabei seine strategischen Differenzen mit anderen Revolutionsansätzen, die sich aus unterschiedlichen Bewertungen der revolutionären Machbarkeit ergeben.

Vortrag mit Holger Marcks / 6.4.2016 / Halle / Uniplatz / Mel Hörsaal XVI / 18:30 Uhr / Eine Veranstaltung der FAU Halle / Gefördert vom Alternativen Vorlesungsverzeichnis (ALV)