Archiv für Juni 2010

Die Geschichte der Ukraine aus libertärer Sicht – Vortrag und Buchvorstellung

Datum: Do 01.07.2010
Ort: VL/Ludwigstraße 37
Uhrzeit: 19 Uhr

Lange Zeit war die Ukraine von Mitteleuropa aus gesehen ein Land am äußersten östlichen Rand des Kontinents und zudem im 20. Jahrhundert für über 70 Jahre hinter einem Eisernen Vorhang verborgen. Erst die sogenannte Orangene Revolution im Winter 2004 sorgte dafür, dass die politischen Verhältnisse in der Ukraine in Deutschland in den Massenmedien größeren Raum
einnahmen und so in der deutschen Öffentlichkeit bekannter wurden.

Dabei blickt dieses osteuropäische Land auf eine bewegte und äußerst interessante Vergangenheit zurück. Gerade aus emanzipatorischer Sicht spielten sich in der Ukraine überaus wichtige und spannende Ereignisse ab. So organisierten sich die ukrainischen Kosaken an dem großen Fluss Dnjepr zu Beginn der Neuzeit bereits in einer egalitär-freiheitlichen Gemeinschaft, als die meisten europäischen Gesellschaften noch in einem absolutistischen Feudalsystem verharrten.

Von der antifeudalen Bewegung der Hajdamaken im 18. Jahrhundert führt die freiheitlich-progressive Spur in der ukrainischen Gesellschaft über die sozialrevolutionären Gruppen der Narodniki des Zarenreichs schließlich zur Entstehung aller modernen sozialistischen Strömungen innerhalb der Ukraine: Sozialdemokratie, Kommunismus, Anarchismus.

Während der Oktoberrevolution 1917/18 fiel daher nicht von ungefähr der neokosakische bäuerliche Anarchismus in der Ukraine auf so fruchtbaren Boden und ermöglichte in den Jahren 1917-21 in Teilen der Ost- und Südukraine ein freiheitliches gesellschaftliches Experiment, welches mit dem Namen Machnowschtschina bezeichnet wurde.

Der unbändige Freiheitswille der ukrainischen Massen und deren Kampf um ihre kulturelle bzw. sprachliche Eigenständigkeit, führte auch in der Sowjetphase dazu, dass die Ukraine sieben Jahrzehnte hindurch von der sowjetischen Zentrale in Moskau als eine unruhige und widerspenstige Teilrepublik angesehen und dementsprechend behandelt wurde.

Seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1991 gestaltet sich der Alltag großer Teile der ukrainischen Bevölkerung äußerst mühevoll. Eingezwängt zwischen einer allgegenwärtigen Korruption, der Herrschaft gieriger Oligarchenclans und mafiöser Strukturen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, explodierte der Unmut der geknechteten Massen nach massiven Wahlfälschungen bei den Präsidentschaftswahlen 2004.

Dieses politische Lesebuch zur Geschichte der Ukraine schlägt nochmal die hoffnungsvollen und ermutigenden Kapitel in der Vergangenheit und Gegenwart dieses osteuropäischen Landes auf, verschweigt dabei auch die dunklen Seiten in der ukrainischen Historie nicht.

Auf dem Weg zur Emanzipation der Menschheit lohnt es sich jedenfalls, einen Blick auf die bewegende Geschichte der Ukraine zu richten, um aus den faszinierenden Ereignissen und dem lang anhaltenden Kampf um egalitäre Verhältnisse – aber auch den bitteren Niederlagen – zu lernen

Anarchists against the wall

Ort: VL/Ludwigstraße 37
Uhrzeit: 19 Uhr

Anarchists Against the Wall is an Israeli action group supporting the popular Palestinian struggle against segregation and land confiscation in the West Bank. Uri Gordon, a participant in the group and author of the book “Hier und Jetzt!, will discuss the group’s activities and examine the achievements and limitations of the joint struggle, as well as anarchist perspectives on national liberation and the future of Palestine/Israel.

Freitag 18.6. Jürgen Mümken – Postanarchismus – Anarchistische Theorie (in) der Postmoderne

Ort: VL/Ludwigstraße 37
Uhrzeit: 20 Uhr

Postmoderne, Globalisierung und Neoliberalismus haben die gesellschaftlichen Realitäten und deren Wahrnehmung verändert. Seit einigen Jahren wird unter dem Label „Postanarchismus“ über eine Aktualisierung anarchistischer Theorie und Praxis diskutiert. Unter dem Begriff „Postanarchismus“ werden die verschiedenen theoretischen Auseinandersetzungen mit dem Poststrukturalismus, Dekonstruktivismus, Postmoderne etc. zusammengefasst werden, sind älter als der Begriff.
Was bedeutet die Postmoderne für den Anarchismus? Brauchen wir einen „postmodernen Anarchismus“? Welche „Wahrheiten“ der Moderne und des „klassischen Anarchismus“ müssen wir über Bord werfen? Welche „Werkzeugkiste“ des Poststrukturalismus ist nützlich für eine Aktualisierung anarchistische Theorie und Praxis? Was nützt die Macht-Analyse von Foucault und die postmoderne Kritik des bürgerlichen Subjekts für die Utopie einer herrschaftsfreien Gesellschaft? Diesen Fragen geht Jürgen Mümken nach.

Sa, 12.06.2010, 11 bis 17 Uhr – Workshop der Zukunftswerkstatt Jena „Konkrete Utopien für eine herrschaftsfreie Gesellschaft“

Ort: VL/Ludwigstraße 37

„Eine andere Welt ist möglich“ wurde zu einer Losung der globalisierungskritischen Bewegung. Aber viele Menschen die noch resigniert sind, beteiligen sich am Widerstand gegen das bestehende, kapitalistische System nur deshalb nicht, weil sie eben keine Alternative zum Kapitalismus sehen. Sie meinen der Sozialismus hat nicht funktioniert, wie soll es dann möglich sein, ohne Verlust an Lebensqualität die kapitalistische Wirtschaftsweise abzuschaffen und eine neue einzuführen?

Die „Zukunftswerk Jena“ hat einige Ideen zusammengetragen, wie ein nachkapitalistisches Gesellschaftssystem, das auf dem Gedanken der Selbstorganisation basiert, funktionieren könnte. Diese Ideen sollen kein Universalrezept für eine Utopie sein, sondern dazu ermutigen sich anderen zusammenzuschließen um gemeinsam selbstorganisiert zu wirtschaften. Durch eine Vernetzung dieser selbstorganisierten Projekte entstünde für die Menschen, die daran teilnehmen, eine größere wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Markt. Dies wäre die Keimzeile für eine nachkapitalistische Welt.

Aufruf zur Bildungsstreik-Demonstration am Mittwoch, 9.6.2010

Aufruf zur Bildungsstreik-Demonstration
am Mittwoch, 9.6.2010

Alle Jahre wieder gehen Studierende auf die Straße um gegen die Zustände im Bildungssystem zu demonstrieren. Doch geändert hat sich seit ’68 wenig, stattdessen hat die Ökonomisierung zugenommen. Dennoch rückt die Einführung der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge die Ungewissheit persönlicher Lebensläufe ins Bewusstsein.

In Diskussionen um Kürzungen wird Bildung gegen andere politische Bereiche, wie zum Beispiel das Gesundheitssystem oder Renten ausgespielt. Dies hat gezeigt, dass der gesamtgesellschaftliche Bezug einer Kritik am
Bildungssystem nicht vergessen werden darf.

Das fängt nicht erst beim restriktiven Zugang zur Universität an. Schon in der Schule, dem Kindergarten und noch früher werden die Bildungschancen von Menschen durch ökonomische Zwänge und Schranken festgelegt. Es liegt
auch gar nicht im staatlichen Interesse, allen Menschen unabhängig von sozialer Herkunft Bildung zu ermöglichen.
Vielmehr geht es um die Bildung nützlicher Eliten, die den Staatsbetrieb aufrecht erhalten und die gesellschaftlichen Verhältnisse reproduzieren.

Deshalb darf die Problematik auch nicht auf die berechtigte Forderung nach einer gerechteren Verteilung von Geldern reduziert werden. Vielmehr muss es um ein grundsätzliches Umdenken beim Begriff von Bildung gehen.
Demokratie darf sich nicht auf repräsentative Gremien beschränken, die nichts daran ändern, dass Bildungsinhalte weiterhin hierarchisch und von oben herab bestimmt und gelehrt werden.

Eine umsetzbare Alternative ist die konsequente Mitbestimmung aller an Bildung beteiligten – in Schulen, Universitäten und allen anderen Orten, an denen Bildung stattfindet. Darüber hinaus lässt sich eine Gesellschaft ohne Schulen, Unis, etc. denken! Nur so kann eine gerechte Verteilung auf der Grundlage einer freien Assoziation von Individuen verwirklicht werden.
Dazu gehört gleichermaßen die Auflösung patriarchaler und anderer diskriminierender Strukturen – in Bildung und dem gesamten gesellschaftlichen Leben.

Wir sollten uns keiner Illusion hingeben dass sich in diesem System etwas ändern würde außer durch Reformen von Oben wie im preußischen Absolutismus. Trotzdem wurde auch diese Gesellschaftsordnung verworfen und durch unsere heutige Demokratie ersetzt.

Unsere Zukunft sehen wir in der sozialen Revolution. Wir wollen eine föderalistische, dezentrale und direkt-demokratische Welt, in der es keine Menschen gibt die wegen abweichender Lebensvorstellungen diskriminiert werden, sondern in der es Gemeinschaften von Gemeinschaften gibt, die genauso bunt und vielfältig sind wie die menschliche Natur. Eine Welt ohne Kapitalismus, Herrschaft und Patriarchat. Eine Welt in der jede_r nach Fähigkeiten und Bedürfnissen und ohne Arbeitszwang leben kann!

In diesem Sinne ruft die FAU Halle auf, sich am 9. Juni 2010 an der Bildungsstreikdemo zu beteiligen.
Los geht es um 14 Uhr auf dem Uniplatz.