Archiv für März 2010

Zur aktuellen Situation in Griechenland – Eine Übersetzung

Die FAU Halle ist solidarisch mit den Genossen und Genossinnen, die zur
Zeit in Griechenland auf die Straße gehen. Deshalb möchten wir einen von
ihnen hier zu Wort kommen lassen und veröffentlichen die Übersetzung
eines offenen Briefes, der aus der Perspektive eines beteiligten
Anarchisten Stellung zu den Ereignissen am 5. März in Athen bezieht.
Obwohl uns die Metaphorik unangenehm an die deutsche Geschichte
erinnert, haben wir sie in der Übersetzung belassen um dem Original
gerecht zu werden. Wir denken, dass der Brief trotzdem wert ist, auch im
deutschsprachigen Raum wahrgenommen zu werden.

Der Vorsitzende der GSEE (allgemeine griechische ArbeiterInnen-Konföderation), Panagopoulos, hat rechtliche Schritte gegen drei Personen eingeleitet, die ihn während der Streikdemonstration
am 5. März in April mit Joghurt und Kaffee beworfen hatten. Der berufsmäßige und gut schauspielernde Syndikalist zieht es vor, die Rechte der Bosse und Großindustriellen statt die der ArbeiterInnen zu verteidigen.
Offener Brief von einer der Personen, die für den Angriff auf Panagopoulos und Zusammenstöße mit seinen Leibwächtern rechtliche Konsequenzen fürchten müssen.

Offener Brief – Antwort an die Massenmedien

Ich bin eine der drei Personen, die von den „Papageien“ der Sicherheitsagenturen (Journalisten wie M. Triantafyllopoulos, G.
Souliotis) zu den Verantwortlichen für den „Arbeitsunfall“ des GSEE-Präsidenten während der Streikdemonstration am 5. März erklärt werden. Die Presse schreibt, dass der Staatsanwalt folgende Anklagepunkte vorbringt:

Körperverletzung (ohne Grund!?): Lasst uns aus seinem eigenen Mund hören, was Panagopoulos bisher, abgesehen von seinem Schutz für Bosse und UnternehmerInnen für tausende von ArbeiterInnen getan hat, die täglicher Körperverletzung in den Konzentrationslagern bezahlter Sklaverei erfahren oder für die Dutzende von Toten auf dem Altar des Profits.
Eindeutig zeigte sich seine Rolle der Proteste infolge des mörderischen Angriffs auf Konstantina Kuneva, während der sämtliche Gewerkschaftschefs sich mit GroßunternehmerInnen zusammentaten und den Status-Quo der Sklaverei und des Terrors in der Arbeitswelt, insbesondere der Reinigungsbranche, verschleierten. Vergessen Sie nicht, dass der Reinigungsvertrag für das GSEE-Gebäude mit einer dieser Firmen abgeschlossen wurde. (Konstantina Kuneva wurde wegen ihres gewerkschaftlichen Engagements im Gesicht mit Säure angegriffen)

Störung des öffentlichen Friedens: Ich bin Anarchist und akzeptiere keinen Frieden zwischen Ausgebeuteten und AusbeuterInnen, Unterdrückten und UnterdrückerInnen. Staat und Kapital haben der Gesellschaft vor langer Zeit den Krieg erklärt und ich habe gegen sie Stellung bezogen.
In diesem Klassenkampf ist Panagopoulos ein bezahlter Diener der Bosse. Als berufsmäßiger Gewerkschafter und angehender Parlamentarier ist er ein würdiger Nachfolger der Herren Protopappas und Polyzogopoulos, die zahlreiche staatliche und parteiliche Ämter erhalten haben – als Belohnung dafür, dass sie den Kampf der ArbeiterInnen verkauft haben.
Jedenfalls ist die GSEE nicht im geringsten eine „ArbeiterInnen-Konföderation“, sondern eine Tochterfirma der griechischen Industrieverbände, die alles daran setzt, den Klassenkampf zu unterbinden und die Maßnahmen der Bosse zu legalisieren. Ihre Rolle zeigte sich zum wiederholten Male währen der Dezember-Revolte 2008 als die GSEE eine geplante Demonstration absagte und auch keinen Streik in Solidarität mit den Tausenden revoltierender Menschen ausrief. Ich habe den „öffentlichen Frieden“ schon mehrfach gestört. Unter anderem am 17. Dezember 2008 als wir, die revoltierenden ArbeiterInnen und viele andere, das Hauptgebäude der GSEE besetzten und Panagopoulos aus seinem luxuriösen Büro mit Ledersessel warfen.

Beleidigung: Ich denke dass alle diese Berufsgewerkschafter nichts als widerliche, mafiöse ArbeiterInnenverräter sind.

P.S. Ich bin Anarchist und habe deshalb beschlossen, neben meinen anderen politischen Aktionen bei der „Assoziation von KellnerInnen, KöchInnen und anderer Angestellter der Gastronomie“ mitzumachen, weil ich glaube, dass nur durch selbstorganisierte Aktion von ArbeiterInnen eine Überwindung von Ausbeutung und Unterdrückung möglich werden kann.
Die einzige Beziehung, die ich und diese Assoziation mit dem verkauften Regime-Syndikalismus der GSEE ist Feindschaft.

D.V.

(nachdem der Brief veröffentlicht wurde begannen einige, unter ihrem vollständigen Namen öffentlich zu erklären, dass auch sie Panagopoulos angegriffen haben oder es gerne mal tun würden)

[Quelle: http://www2.de.indymedia.org/2010/03/276210.shtml Übersetzung der FAU Halle]

Video vom Ereignis auf:
http://www.youtube.com/watch?v=OJW33W9t0bw&feature=player_embedded

Utopien entdecken – Libertäre Tage in Dresden

Vom 1.-9. Mai finden in diesem Jahr die ersten libertären Tage in Dresden statt. Es werden Workshops, Vorträge, Demos aller Art statt finden und hoffentlich ein Zeichen an die Dresdner Bevölkerung gesendet dass AnarchistInnen vielleicht doch nicht die Chaos und Tod bringenden Randalierer sind wie die Medien es immer darzustellen versuchen.